Thermoaktive Möbel mit Salz-PCM: Regale und Sitzbänke, die Solarstrom speichern

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Thermoaktive Möbel mit Salz-PCM: Regale und Sitzbänke, die Solarstrom speichern

Thermoaktive Möbel mit Salz-PCM: Regale und Sitzbänke, die Solarstrom speichern

Warum nur schauen, wenn Möbel auch speichern können? Immer mehr Haushalte produzieren eigenen Solarstrom, doch abends fehlt die Wärme dort, wo man sie spürt: im Wohnraum. Thermoaktive Möbel mit Salz-PCM (Phase-Change-Material) füllen genau diese Lücke. Sie laden sich tagsüber mit Überschussenergie und geben abends sanfte Strahlungswärme ab – unsichtbar integriert in Regale, Sitzbänke oder Wandpaneele.

Was sind thermoaktive Möbel?

Thermoaktive Möbel kombinieren Speichermaterialien mit niederspannungsigen Heiz- oder Kühlkomponenten (typisch 24–48 V SELV). Kernstück sind PCM-Kassetten, die bei einer definierten Temperatur schmelzen oder erstarren. Dabei speichern sie latente Wärme, ohne sich stark zu erwärmen. Ergebnis: gleichmäßigere Raumtemperatur, weniger Luftbewegung, mehr Komfort.

Phase-Change-Materialien im Überblick

  • Salzhydrate (z. B. Natriumsalze): hohe Speicherdichte, einstellbare Schmelzpunkte zwischen 20–28 °C, nicht brennbar.
  • Paraffine: sehr stabil, breit verfügbar, jedoch brennbar und meist geringere Wärmeleitfähigkeit.
  • Bio-PCM (z. B. Fettsäuren): erneuerbar, neutraler Geruch, für niedrige Temperaturen geeignet.

Für Wohnräume werden häufig Salzhydrate mit ca. 23–25 °C gewählt: angenehm als Abendwärme und tagsüber einfach mit Solarstrom aufladbar.

Wie laden und entladen die Möbel?

  • Laden (Wärmespeicherung): Über eine 48 V-Heizfolie oder Heizmatte wird das PCM knapp über seinen Schmelzpunkt erwärmt.
  • Entladen (Wärmeabgabe): Im kühleren Abendraum erstarrt das PCM und gibt Wärme als Strahlung und milde Konvektion ab.
  • Sommerbetrieb: Nachts kühlen (Fensterlüftung), tagsüber Wärmespitzen abpuffern. Ergebnis: spürbar stabileres Raumklima.

Aufbau: Smart-Regal mit PCM-Speicher

Ein typisches PCM-Regal besteht aus modularen Bauteilen, die sich in bestehende Möbel integrieren lassen:

  • Korpus: Holzwerkstoff (Eiche, Birke Multiplex, Linoleumoberfläche), rückseitige Serviceklappe.
  • PCM-Kassetten: je ca. 1,5–2,0 kg, Speicherkapazität etwa 140–200 Wh pro Kassette (bei 23–25 °C).
  • Heizebene: 48 V-Heizfolie 120–180 W m2, SELV-konform, selbstklebend auf Metall-Absorber.
  • Wärmeübertrager: dünne Aluminiumbleche leiten Wärme homogen in die Möbeloberfläche.
  • Regelung: Sensoren (Oberflächen- und Kernfühler), Thermostat mit Zeitprofil, optional Matter/Thread.
  • Luftführung (optional): leise 12 V-Lüfter zur Boost-Abgabe an sehr kalten Tagen.
  • Versorgung: 48 V-Stecknetzteil mit Sicherung, FI-geschützte Steckdose, Kabelführung unsichtbar.

Vorteile in der Praxis

Vorteil Beschreibung Praxisnutzen
Komfort Weiche Strahlungswärme statt heißer Luft Wärme dort, wo man sitzt und liest
Energie Nutzung von PV-Überschuss für Abendstunden Höherer Eigenverbrauch, weniger Netzbezug
Platz Wärmespeicher im Möbel versteckt Kein Radiator, keine sichtbaren Geräte
Sicherheit SELV 24–48 V, Salzhydrate nicht brennbar DIY-geeignet, wohngesund
Design Materialmix aus Holz, Metall, Filz Architektonische Wärmeinseln

Einsatzorte und Interior-Ideen

  • Salon & Wohnzimmer: Lowboard mit Speicherkern – milde Wärme beim Filmabend.
  • Homeoffice: Rückwandpaneel am Schreibtisch stabilisiert Temperatur, verbessert Akustik mit Filzfront.
  • Schlafzimmer: Bettbank lädt tagsüber, gibt abends sanft Wärme ab, ohne Luft auszutrocknen.
  • Bad: Handtuchbank mit PCM – warmes Sitzgefühl, schnell trocknende Textilien.
  • Flur: Schuhbank mit leichter Temperierung gegen Feuchte nach Regen.

Fallstudie: Altbau-Wohnzimmer 22 m2

  • Möbel: 1,6 m Lowboard mit 8 PCM-Kassetten (insgesamt ca. 1,4 kWh Speicherkapazität), 48 V-Heizfolie 160 W m2.
  • Betrieb: Tags 12:00–15:00 Uhr Laden mit PV-Überschuss (250–300 W), Abgabe ab 18:30 Uhr passiv.
  • Ergebnis: Abends fühlbar wärmere Sitzzone, geringere Thermostatspitzen; die Raumluft bleibt ruhiger, weil weniger Konvektionsheizen nötig ist.
  • Akustik: Front aus gelochtem Holz mit Filzhinterlage reduziert Flatterechos.

Hinweis: Werte dienen als Orientierungsbeispiel. Effekte variieren je nach Gebäudehülle und Nutzerprofil.

DIY: Thermoaktive Sitzbank 120 cm bauen

Materialliste

  1. Multiplex 18 mm, Zuschnitt 120 × 40 × 45 cm (Korpus, Deckel, Boden, Seiten)
  2. 6 × PCM-Kassette 23–25 °C, je 1,8 kg
  3. 48 V-Heizfolie 300 × 900 mm mit Anschlusskabel
  4. Alu-Absorberblech 0,8 mm als Wärmeverteiler
  5. 48 V-Stecknetzteil 150–200 W, Feinsicherung
  6. Thermostat mit Fühler, optional WLAN/Matter
  7. 2 × leiser 12 V-Lüfter 80 mm (optional) + DC-Wandler 48 → 12 V
  8. Filzauflage 5–8 mm, Kleber VOC-arm
  9. Kabelkanal, Zugentlastungen, Gummitüllen

Schritt-für-Schritt

  1. Korpus verschrauben, Serviceklappe rückseitig vorsehen, Kanten schleifen.
  2. Alu-Absorber innen auf Deckelfläche befestigen, Heizfolie blasenfrei aufbringen.
  3. PCM-Kassetten in Halterahmen einlegen, Dehnfuge von 2–3 mm je Kassette belassen.
  4. Fühler an Oberfläche und im PCM-Fach platzieren, Kabel ordentlich führen, Zugentlastungen montieren.
  5. 48 V-Netzteil in belüftetem Fach unterbringen; Sicherung vorsehen; Lüfter optional mit Wandler speisen.
  6. Thermostat programmieren: Laden am frühen Nachmittag, Maximaltemperatur 27 °C.
  7. Filzauflage auf Deckel kleben, Bodengleiter montieren, Kabelauslass an Rückseite entkoppeln.

Sicherheit: Ausschließlich SELV-Niederspannung im Möbel verwenden. Netzanschluss nur über fertiges Stecknetzteil mit FI-geschützter Steckdose. Keine abgedeckten Heizelemente ohne Temperaturüberwachung betreiben.

Pro / Contra kurzgefasst

Aspekt Pro Contra
Komfort Angenehme Strahlung, ruhige Luft Träge im Vergleich zu Heizlüftern
Energie PV-Überschuss nutzbar Kapazität begrenzt je Modul
Design Unsichtbar integriert Mehr Gewicht durch PCM
Wartung Modulare Kassetten tauschbar Jährliche Funktionskontrolle sinnvoll

Gestaltung & Stil

  • Materialmix: Eiche natur + schwarzes Alu für technischen Kontrast.
  • Textur: Linoleumfronten, geölte Oberflächen, Filz für Akustik.
  • Licht: Indirekte LED 24 V hinter der Warmfront betont die Funktionsebene.
  • Farben: Erdige Töne (Sand, Oliv) unterstreichen den Wärmeeindruck.

Gesundheit, Sicherheit & Nachhaltigkeit

  • Wohngesund: Kleber und Lacke mit niedrigen VOC wählen, Kanten sauber versiegeln.
  • Brandschutz: Salzhydrat-PCM ist nicht brennbar; Holzoberflächen dennoch üblich sorgfältig schützen.
  • Recycling: Kassetten sind getrennt vom Möbel rückbaubar; Holzanteile wiederverwertbar.
  • Feuchtemanagement: Lüftungsschlitze vorsehen, keine dauerhafte Abdeckung der Heizzone.

Ausblick: Möbel als Teil des Energie-Ökosystems

  • Direktstrom aus Balkon-PV in 24/48 V-DC-Schienen für lokale Speicherzonen.
  • Lastmanagement: Thermostate reagieren auf Stromtarife, laden bei günstigen Preisen.
  • Sensorfusion: Belegungs- und Wetterprognosen optimieren Ladefenster.

Fazit

Thermoaktive Möbel vereinen Interior-Design, Komfort und Energieeffizienz in einem Bauteil. Mit modularen Salz-PCM-Kassetten entsteht Wärme genau dort, wo wir sie empfinden – ohne sichtbare Technik. Wer PV-Überschuss sinnvoll in den Abend verlängern will, findet in Regalen, Sitzbänken und Paneelen eine überraschend elegante Lösung.

CTA: Starten Sie mit einem kleinen Projekt – einer 120 cm Sitzbank im Wohnzimmer – und erleben Sie, wie Möbel zu stillen Energiemanagern werden.

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admin

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